Maiwald Pressearbeit

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maiwald PR · Christina Maiwald · Moorbekring 36 a · 22359 Hamburg
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  Porträt Andrea Pisker: Kita-Vollwertköchin
In: Ökomarkt magazin 1/2002
Günstig und gesund
Eine Kindertagesstätten-Vollwertköchin auf St-Pauli beweist:
Die Versorgung der Kinder mit ökologischen Lebensmitteln unter 3,- DM (pro Tag, pro Kind) ist machbar.



Gesunde Ernährung, Schmackhaftigkeit und Genuss schließen sich nicht aus meint Andrea Pisker, eine gesundheits-bewusste Vollwert-Köchin einer Kindertagesstätte (Kita) auf St.Pauli.


Kochen vereint pädagogische und therapeutische Ansätze
Die engagierte Köchin bereitet, fast immer mit einigen Kindern zusammen, 48 Mahlzeiten pro Tag zu. Sie legt besonderen Wert auf den pädagogischen und auch therapeutischen Aspekt der gemeinsamen Vorbereitung der Mahlzeiten. Die Arbeit in der Küche hilft auch kontaktscheuen Kindern: Ein sehr zurückhaltender Junge, der lange Zeit stumm am Zaun stand, wenn ich morgens kam, entwickelte sich nach einiger Zeit zur hilfreichen und geselligen Assistenz. Die Kinder dürfen z.B. die Getreidemühle zum Herstellen von Flocken, zum Reiben von Nüssen und zum Raffeln des Gemüses in Gang setzen. Gern wird Brot gebacken oder werden Brötchen geformt. Zum Geburtstag dürfen sich die Kinder ihr Lieblingsgericht wünschen. Die Kinder wünschen sich nicht irgendein Junkfood, sondern oft Backkartoffeln mit Quark und Kräutern aus dem eigenen Garten sagt die Köchin.
 
    Akzeptanz bei Eltern und Kindern
Die Vollwertkost kommt bei den Kindern durchweg gut an. Andreas Erfolgsrezept: Keine aufwendige Gerichte, sondern ein besonderer Augenmerk auf die Bedürfnisse und die Mitarbeit der Kinder, die auch mit einfachen Gerichten zufrieden sind. Andrea stellt wochenweise eine Speisekarte zusammen, die allen schmeckt. Mit viel Improvisationstalent wandelt sie die Rezepte nach eigenen Vorstellungen ab, entwickelt einige selber oder nutzt das Repertoire ihrer Ausbilderin, der Buchautorin Anke Brammen.

Viel gesunde Sättigung für wenig Geld
Andrea Pisker beweist, dass gute und schmackhafte Ernährung auch preiswert sein kann. Die Reduzierung der Fleischgerichte auf eine Mahlzeit pro Woche, die Ergiebigkeit von Getreide und die Beachtung von regionalen und saisonalen Gemüsebestellungen, machen es der kosten-bewussten Köchin leicht, mit dem Budget für Mittagessen, Getränke und Imbiss zu haushalten. Kartoffelpüree, Tütensuppen, kleine Eisbecher sind teuer, sind mit viel Müll verbunden und können außerdem das Geschmacksempfinden der Kinder nachhaltig schädigen. Eine sehr beliebte und dazu kostengünstige Alternative sind Nudeln, die Andrea in interessanten Variationen zubereitet. Sie benutzt mal helle, mal dunkle Nudeln, die dann mit Kräutersoßen, Pesto, Tomatensoße oder frisch geriebenem (!) Parmesan angerichtet werden. Dabei schätzt sie die superfrische Ware vom Demeter-Hof Arpshof (in Dierstorf). Andererseits gibt es auch mal frisches Popcorn Waffeln oder Kekse. Obst steht selbstverständlich immer auf dem Tisch. Auch bei den Getränken ist Vielfalt Trumpf: Yogi-Tee, Punsch, Kräutertee (aus eigenem Anbau), Bowle mit Minze. Viele wissen gar nicht, mit Vollwertprodukten richtig umzugehen. Einfache Handgriffe, wie z.B. das Abspülen der Hirse, damit sie nicht bitter schmeckt. Aus diesem Grund bietet Andrea Pisker Koch- und Vollwertbackkurse für die Eltern an, gern aber auch für andere Zielgruppen. In diesen Kursen bereitet dann jede Person ein Gericht zu, um die erlernten Tipps und Tricks gleich auszuprobieren.

Nicht mehr gegen den Strom schwimmen
Als fünfzehnjährige war sie das erstemal in einem Bio-Laden. Sie fühlte sich hilflos, die ganzen Körner zu sehen und nicht zu wissen, was damit zubereitet werden kann. Das sollte sich ändern. Während ihres Sonderpädagogikstudiums in Dortmund jobbte sie im Bio-Laden, bis die Entscheidung fiel, nach dem Grundstudium ausschließlich zu kochen. Ihren Wunsch, handwerkliche und sozialtherapeutische Fähigkeiten zu verbinden, realisierte sie in der Hermann Jülich Werk-gemeinschaft in Hamfelde. Dort absolvierte Andrea den praktischen Teil der Ausbildung zur Köchin bei Anke Brammen, den theoretischen Teil bewältigte die überzeugte Vegetarierin zusammen mit Fleischern in der Staatlichen Gewerbe-schule für Gastronomie und Ernährung. Dort musste sie dann Ochsenschwanzsuppe zubereiten, Fische aus-nehmen und sogar ein Lamm zerlegen, - es hätte ja in der Prüfung drankommen können. Mit Hilfe eines Stipendiums der Walter und Margarete Müller Stiftung schloss sie erfolgreich die Ausbildung zur Köchin für gesunde Ernährung beim Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung ab.

Seit April 2000 ist Andrea erfolgreich in der KITA tätig. Hier habe ich den Raum zum Kochen und die Freiheit zu leben, was mir wichtig ist. Ich fühle mich geschätzt von allen. Es ist wohltuend, nicht immer gegen den Strom schwimmen zu müssen. Und Ochsenschwanzsuppe muss sie nun auch nicht mehr kochen.

Ch. Maiwald